Der Offizier 1/2022 Wehr- und Sicherheitspolitisches Bulletin Nr. 3/3/22

Die elektronische Ausgabe des „Offizier 1/2022“ finden sie hier zum Download und hier zum Blättern!

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser,

als diese Zeilen geschrieben wurden, marschierten die ersten russischen Panzer in die Ostukraine ein und Europa wundert sich, wie das passieren konnte. Eigentlich sollte es doch in absehbarer Zeit keinen konventionellen Krieg mehr geben, wie es uns immer wieder von selbsternannten Experten, die meisten davon ohne militärisches Fachwissen, bei jeder Gelegenheit prophezeit wurde.

Will man die Entwicklung der aktuellen Situation in ihren tiefsten Ursachen verstehen, muss man sich in beide Konfliktseiten hineindenken. Es wäre zu einfach, würde man vom bösen Russen oder von der geknechteten Ukraine und ihren westlichen Verbündeten sprechen. Beide Konfliktparteien haben in den letzten zehn Jahren versucht, ihre Positionen zu verbessern. Russland hat nun jene militärische Stärke erlangt, welche es wieder zu einer ernstzunehmenden militärischen Weltmacht werden ließ, und die USA haben unter Ausnutzung der eklatanten militärischen Schwäche der europäischen Staaten die NATO bis an die Grenzen zu Russland ausgedehnt. Jedem seriösen Sicherheitspolitiker war klar, dass diese Situation in absehbarer Zeit zu einer ernsthaften Konfrontation führen wird.

Die aktuelle Situation zeigt uns auch, dass das militärische Potenzial aller europäischen Staaten zusammengenommen kein Abschreckungspotenzial mehr bietet, wie es zu Zeiten des Kalten Krieges der Fall war. Durch die Abrüstung der konventionellen Waffensysteme wurde Europa zum Zuschauer in diesem Konflikt. Die USA bestimmen schon längst den Kurs Europas. Europa muss daher auch bei den von den USA gegen Russland beschlossenen Wirtschaftssanktionen mitziehen und wird dadurch Schaden erleiden. Gewinner werden die USA sein, denn sie werden beispielsweise Europa ihr teures Gas verkaufen können.

Europa ist daher gut beraten, sein Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen und sich auf die eigenen Füße zu stellen. Gemeinsam mit den anderen Staaten in Europa muss auch Österreich aufwachen und endlich wieder mehr in seine Streitkräfte investieren. Schön wäre es, wenn bei der nächsten Parade am Ring beispielsweise neue Kampfpanzer, neue Fliegerabwehrsysteme am Boden und eigene Kampfhubschrauber und F-35-Kampfflugzeuge über die Bundeshauptstadt fliegen würden.

Ihr Chefredakteur
Harald Pöcher

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