Der Wächter – Geistige Landesverteidigung oder … wird kämpfen für die Sache des Feindes!

Wehr- und Sicherheitspolitisches Bulletin Nr. 10/9/23

Österreich bekennt sich zur umfassenden Landesverteidigung. Ihre Aufgabe ist es, die Unabhängigkeit nach außen sowie die Unverletzlichkeit und Einheit des Bundesgebietes zu bewahren, insbesondere zur Aufrechterhaltung und Verteidigung der immerwährenden Neutralität. Hiebei sind auch die verfassungsmäßigen Einrichtungen und ihre Handlungsfähigkeit sowie die demokratischen Freiheiten der Einwohner vor gewaltsamen Angriffen von außen zu schützen und zu verteidigen. Zur umfassenden Landesverteidigung gehören die militärische, die geistige, die zivile und die wirtschaftliche Landesverteidigung.“ Diese Zeilen sollte eigentlich jeder verstehen, immerhin stellen sie in Österreich die verfassungsmäßige Basis des naturgegebenen Rechts auf Selbstverteidigung dar. Aber in einer von falsch verstandenem Pazifismus beseelten Gesellschaft kommt es eben auch zu überwunden geglaubten Auswüchsen, die eine Umsetzung der verfassungsmäßigen Festlegungen bekämpfen wie zuletzt den Regierungsvorstoß, die geistige Landesverteidigung an den Schulen wiederzubeleben. Wiederbeleben muss man übrigens bei Herzstillstand, damit nicht der endgültige Tod eintritt. Sind solche Gegnerinnen und Gegner einer Wiederbelebung womöglich fremdgesteuerte oder gar bezahlte Trolle? Sind es karriereorientierte egozentrische Effekthascherinnen? Sind es ideologisch irregeleitete Bürger? Sind es nützliche Idiotinnen und Idioten? So oder so, auch diese Leute werden den Nutzen lukrieren, den die Bereitschaft derjenigen bedeutet, die gelobt haben, das österreichische Volk zu schützen und mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Angesichts der dramatischen Realitäten, nicht nur anderswo in der Welt, sondern eben auch in Europa, hätte man meinen können, dass die Träumerinnen und Träumer der Gewaltfreiheit und des gewaltlosen Widerstandes aufgewacht wären. Aber zutiefst verwurzelt scheint jene – auch religiös befeuerte – utopische Zielvorstellung einer anderen Welt, die die Wölfe neben den Lämmern weiden sehen will und dabei außer Acht lässt, dass Wölfe eben keine Veganerinnen und Veganer sind. Bitte nicht falsch verstehen, ein gesunder Pazifismus, also ein Pazifismus, der jede Anwendung von Gewalt ablehnt und mit aller Kraft für den Frieden eintritt, ist etwas Ehrenwertes, auch wenn dabei naiverweise die Realität außer Acht gelassen wird. Ein ungesunder Pazifismus, also ein Pazifismus, der nicht nur für den Frieden eintritt, sondern sogar von konkret oder potenziell bedrohten Staaten eine Abschaffung des Heeres und eine Abrüstung, also die Vernichtung aller Waffen verlangt, wird sich wohl den Vorwurf gefallen lassen müssen, faschistoidem Imperialismus das Wort zu reden. Wer auch von Kleineren und Schwächeren verlangt, auf Verteidigung zu verzichten, fördert das Recht des Stärkeren. Wo ein sicherheitspolitisches Vakuum ist, kann und wird jedes andere Interesse den leeren Raum besetzen. Nun mögen sich irrgeleitete Pazifistinnen und Pazifisten einem Aggressor gewaltlos ergeben wollen, das ist dann ihre persönliche Sache, aber es von Mitbürgern oder gar dem Staat, der die Bürgerinnen schützen soll, zu verlangen, ist mehr als verwerflich. Man kann auf Notwehr verzichten, aber man darf Nothilfe nicht verwehren. Das Kollektiv eines Staates nimmt diese Rechte in Anspruch und verankert sie in der Verfassung. Der Ausdruck dieser Haltung zu einem Selbstbehauptungswillen, zum Erhalt der Souveränität, zum Erhalt des Friedens in Freiheit, ist die Aufstellung eines Heeres. Schon den Römern war das klar, wenn sie von „Si vis pacem para bellum“ sprachen, was entsprechend übersetzt bedeutet: „Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor“, oder wie es in der guten alten Wehrpolitik zur Zeit des Kalten Krieges für das Bundesheer etwas friedlicher formuliert wurde: „Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen.“ Zunehmend wird man diesen Satz allerdings erweitern müssen, sodass er dann wohl lauten wird: „Kämpfen können und wollen, um nicht kämpfen zu müssen“, denn man wird den Kampf nicht vermeiden können, weil man ihn vermeiden will, „denn es wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.“

Dieser Wächter wurde im „Offizier 3/2023“ veröffentlicht. Die elektronische Version finden sie hier zum Download und hier zum Blättern!

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