Festrede zur Partnerschaftsbegründung mit der Theresianischen Militärakademie Wehr- und sicherheitspolitisches Bulletin Nr. 18/12/20

Am 14. Dezember 2020 fand im – leider nur – kleinen Rahmen, aber noch im 60. Jubiläumsjahr der Österreichischen Offiziersgesellschaft, die Partnerschaftsbegründung mit der Theresianischen Militärakademie (MilAk) statt. ÖOG-Präsident Brigadier Erich Cibulka hielt zu diesem Anlass die folgende Festrede.

„Treu bis in den Tod“ ist der Leitspruch der Theresianischen Militärakademie. Nach der heurigen Ausmusterung habe ich den neu übernommenen Leutnanten in einer Presseaussendung gratuliert.

„Es ist kein Beruf, sondern eine Berufung, sich in schwierigen Situationen schützend vor andere zu stellen und sein Land auch mit der Waffe zu verteidigen. Dass dabei notfalls auch eine Treue bis zum Tod gefordert ist, hebt den Soldaten besonders hervor“, habe ich betont.

Dieses Versprechen braucht neben der soldatischen Handwerkskunst eine besondere Haltung, eine charakterliche Stärke, zu der die Ausbildung an der Akademie führen soll. „Honor et fortitudo“ steht auf dem Wappen der Offiziersgesellschaft. Diese Werte machen erst den Leitspruch der MilAk möglich: honor – die Ehre, und fortitudo – die Stärke, die Tapferkeit, der Mut.

Und so führen wir heute in der Partnerschaftsbegründung zusammen, was ideell zusammengehört. Und wir erfüllen damit einen Auftrag, den Verteidigungsminister Ferdinand Graf bereits am 12. Juni 1959 gegeben hatte:

„Der ÖOG sowie deren Landesoffiziersgesellschaften fällt gemäß ihren Statuten im Sinne der Vertiefung des Wehrgedankens und der Festigung der österreichischen Landesverteidigung eine wesentliche Aufgabe zu. Es muss daher auch Aufgabe des BMLV und der nachgeordneten Kommanden sein, die Tätigkeit dieser Offiziersgesellschaften zu fördern und in solche Bahnen zu lenken, dass sie die in ihren Statuten festgelegten Ziele erreichen können. Das BMLV wird mit dem Präsidenten der ÖOG enge Fühlung halten. Ebenso wird von den Gruppenbefehlshabern und Brigadekommandanten sowie dem Kommandanten der Militärakademie erwartet, dass sie mit den in ihrem Bereich konstituierten Offiziersgesellschaften im Rahmen der vom BMLV gegebenen Richtlinien ständig Verbindung halten werden.“ (Bundesministeriums für Landesverteidigung Erlass Zl. 45.707-Präs/I/59)

Erst ein halbes Jahr später – am 26. Jänner 1960 – wurde die ÖOG formell als Dachverband der Landesoffiziersgesellschaften gegründet. Es war mir daher wichtig, unsere Partnerschaft noch in diesem Jahr unseres 60-jährigen Jubiläums zu begründen. Und beinahe hätte uns die Covid-19-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jedenfalls hat sie einen größeren Festakt verhindert.

General der Artillerie Emil Liebitzky war der Gründungspräsident der Offiziersgesellschaft. Das Ziel der Gründer war, eine Brücke in die Zivilgesellschaft zu bauen. Fälschlich werden wir manchmal als eine Interessensvertretung der Miliz angesehen. Dem liegt ein Denkfehler zugrunde – es gibt nämlich kein Militär mit einer Teilstreitkraft oder Reserve aus Milizsoldaten. Es gibt nur ein Bundesheer in Österreich – und dieses besteht aus Bürgern in Uniform.

Viele Probleme des heutigen Bundesheeres bestehen dadurch, dass Landesverteidigung – also das Eintreten für unsere gemeinsamen ideellen und materiellen Werte – nicht mehr als Gemeinschaftsaufgabe aller Bürger gesehen wird. Wo jedoch kein Wehrwille besteht, geht die Wehrfähigkeit rasch verloren. Das haben wir in den letzten Jahren deutlich gesehen.

Wir verstehen uns als sicherheitspolitisches Gewissen der Republik. Das bedeutet vor allem, den Verfassungsprinzipien die Treue zu halten. Bezogen auf das Bundesheer sind das: die Allgemeine Wehrpflicht mit Grundwehrdienst und Milizverwendung und die Fähigkeit zur Militärischen Landesverteidigung – eingebettet in die gesamtstaatliche Umfassende Landesverteidigung.

Diese Grundpfeiler werden nicht immer sehr ernst genommen. Es hat sogar schon der Bundespräsident davon gesprochen – und auch das letzte und das gegenwärtige Regierungsprogramm drücken das aus -, dass der Zustand des Bundesheers nicht verfassungskonform wäre.

Österreich hat im Laufe der Jahrhunderte schon verschiedene Staatsformen und Verfassungen erlebt. Die Theresianische Militärakademie hat seit ihrer Gründung 1752 dementsprechend auch schon viel erlebt. Und es freut uns ganz besonders, dass wir diese Partnerschaft am heutigen Stiftungstag begründen können.

Auch die ÖOG hat eine Vorgeschichte. Bereits nach dem 1. Weltkrieg – gegründet 1918 – gab es die Österreichische Offiziersvereinigung. Diese wurde im August 1938 aufgelöst. Am 30. März 1960 wurde die ÖOG per Ministerratsbeschluss als deren Rechtsnachfolger anerkannt.

Doch leider nicht auch als Rechtsnachfolger des Militärwissenschaftlichen Kasinovereins, der 1878 gegründet und 1939 aufgelöst wurde und sich in der 1. Republik gemeinsam mit der Offiziersvereinigung dafür eingesetzt hatte, dass das Palais Erzherzog Ludwig Viktor am Wiener Schwarzenbergplatz, das von Kaiser Franz Joseph 1910 seinen Offizieren zur uneingeschränkten und unverzichtbaren Nutzung gewidmet wurde, wieder ins Eigentum der Offiziere zurückkehrt.

Aber trotzdem ist dieses Palais auch heute noch unser Sitz, an dem wir mit dem Absolventenverein der MilAk – Alt-Neustadt – kameradschaftlich zusammenleben.

Ich bin daher sicher, dass unsere heute hier begründete formelle Partnerschaft bloß das besiegelt und bekräftigt, was uns tatsächlich eint: das Bekenntnis zu unserer Heimat Österreich in einem friedlichen Europa.

Es lebe das Österreichische Offizierskorps,

es lebe die Partnerschaft zwischen der Theresianischen Militärakademie und der Österreichischen Offiziersgesellschaft.

Wr. Neustadt am 14. Dezember 2020

Mag. Erich Cibulka, Brigadier
Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft

ÖOG-Präsident Brigadier Erich Cibulka hält die Festrede anlässlich der Partnerschaftsbegründung mit der Theresianischen Militärakademie im Rittersaal der Burg. (Foto: Gerhard Seeger)

Mehr Bilder finden Sie hier auf der Facebook-Seite der ÖOG.

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