Wehr- und Sicherheitspolitisches Bulletin Nr. 1/3/23
Die elektronische Ausgabe des „Offizier 1/2023“ finden sie hier zum Download und hier zum Blättern!
Geschätzte Leserin, geschätzter Leser,
ein Jahr Krieg in der Ukraine lehrt uns, dass ein ungebrochener Wehrwille Berge versetzen kann. Neben den bedeutenden Hilfsmaßnahmen des Westens ist die Einstellung der Ukrainer zur Verteidigung des Heimatlandes der Garant, dass die Ukraine als souveräner Staat weiter existieren könnte. Die aktuelle Lage in der Ukraine zeigt uns auch, dass wir in Österreich mit dem Konzept der Umfassenden Landesverteidigung und dem Raumverteidigungskonzept nicht so falsch gelegen waren. Bei einer gezielten Unterstützung, beispielsweise bei der Lieferung von Fliegerabwehrwaffen, hätte das Bundesheer durchaus einem möglichen Aggressor widerstehen können. Denn damals war, im Gegensatz zu heute, der Wehrwille in der Bevölkerung, dank einer funktionsfähigen Geistigen Landesverteidigung, hoch. Glaubt man einer Umfrage aus dem Jahr 2020, so sieht das heute dramatisch schlecht aus, denn nur mehr knapp 30 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher wären bereit, die Heimat zu verteidigen. Dieser niedrige Wert ist eigentlich eine Bankrotterklärung für die Verantwortlichen der Umsetzung der Geistigen Landesverteidigung.
Im Bundesheer gibt es seit der signifikanten Budgeterhöhung eine sanfte Aufbruchstimmung, welche auch bei den Vorträgen und der Diskussion während des X. Tages der Wehrpflicht herauszuhören war. Allerdings werden Lippenbekenntnisse nicht genügen, um der Miliz wieder jene Soldatinnen und Soldaten zur Verfügung zu stellen, dass wieder voll aufgefüllte Truppenkörper üben können. Jedenfalls sollte die Aufbruchstimmung im Bundesheer auch auf andere Verantwortungsbereiche des Staates überspringen, damit rasch wieder der Wehrwille in Österreich angehoben werden kann und dadurch der Soldatenberuf wieder attraktiver wird. Der Miliz könnten dadurch wieder mehr Soldatinnen und Soldaten aller Dienstgrade zur Verfügung stehen. Die Gewinner dabei sind alle Österreicherinnen und Österreicher, da mit all diesen Maßnahmen das Heimatland besser geschützt werden kann.
Ihr Chefredakteur
Harald Pöcher
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